Wappen von „Ampt und Vogtey Grüningen“ von 1596
Bild: Jakob Ramminger

Rathaus Markgröningen

1441 erstelltes Rathaus
Bild: Harke, Wikimedia

Justitia im Rathaus

Medaillon mit der Justitia im Gerichtssaal des Rathauses
Bild: Peter Fendrich

Oberamtssiegel von 1789

Siegel des Oberamts Gröningen mit zwei Wappen (1789)
Quelle: Hermann Römer

Südflügel des Schlosses

Der Südflügel des Schlosses diente im 18. Jahrhundert als Oberamtei-Gebäude. Nach dem Auszug des letzten Oberamtmannes Johann Blum wurde es als Spinnanstalt und zum Strafvollzug genutzt
Bild: Peter Fendrich

Kameralamtei

Kameralamtskasten

Einst Kameralamtei mit Kasten in der Ostergasse 22
Bilder: Peter Fendrich

Weltliche Verwaltung

 

 

 

 

Weltliche Verwaltung

Amt, Oberamt und Kameralamt

Nachdem die Reichsstadt Grüningen und die Reichsburg 1336 in württembergische Hände gekommen waren, wurde die weitgehend autonome Selbstverwaltung der Stadt mehr und mehr eingeschränkt. Ein von den Grafen bzw. Herzögen bestellter Vogt vertrat die landesherrlichen Interessen bei der Verwaltung des neu geschaffenen Amtes und übernahm die Rolle des Anklägers bei Prozessen der Hohen Gerichtsbarkeit. Ein Keller, mitunter auch der Vogt in Personalunion, verwaltete den herrschaftlichen Eigenbesitz und war für den Einzug der Naturalabgaben zuständig. Die herrschaftlichen Waldflächen wurden dem Forstbezirk Leonberg zugeordnet. Die Burg diente den Württembergern als Zweitresidenz und zeitweise als Sitz eines adeligen Obervogts. Im 18. Jahrhundert diente der Südflügel der bis 1556 zum Schloss umgebauten Burg als Oberamtei. Neben dem Vogt (ab 1758 „Oberamtmann”) lenkten Schultheiß und Stadtschreiber die Geschicke der Stadt, denen zwölf Richter und zwölf Räte aus der Ehrbarkeit zur Seite standen. Bis auf die Allmende hatte die Stadt keinen Grundbesitz außerhalb der Mauern. Ab 1552 verwaltete ein städtischer Spitalmeister unter herzoglicher Oberaufsicht den reichen Besitz des säkularisierten Heilig-Geist-Spitals.

Amt Grüningen
Zum oft veränderten Grüninger Amtsbezirk zählten die „Amtsflecken“ Bissingen, Tamm und vermutlich das abgegangene Brachheim, Eglosheim, Geißnang bzw. Fuchs- und Schafhof, Oßweil, Pflugfelden, Möglingen, Münchingen und Mauer, Schwieberdingen und das abgegangene Vöhingen, Talhausen und die Schlüsselburg, weitere abgegangene Weiler auf Grüninger Markung sowie ein Teil von Unterriexingen. Laut Karl Pfaff gehörten im 15. Jahrhundert auch Bietigheim (bis 1510), Hoheneck und Burg Harteneck, Aicholtz und Remmigheim dazu. Nach der Reformation kam der säkularisierte Erlachhof hinzu, auf dessen Gelände im 18. Jahrhundert das Ludwigsburger Schloss erstellt werden sollte.

Ab dem 16. Jahrhundert haben zum Grüninger Amt bzw. zur Kellerei teil- bzw. zeitweise auch Hochdorf an der Enz, Oberriexingen und Sachsenheimer Amtsflecken gehört. Nachdem die Herrschaft der 1561 ausgestorbenen Herren von Sachsenheim an das Herzogtum Württemberg gefallen war, wurden deren Orte als Unteramtsbezirk 1565 dem Grüninger Amt zugeordnet. So umfasste der Amtsbezirk um 1600 die Orte Asperg, Bissingen, Eglosheim, Erlach-, Fuchs- und Schafhof im Bereich Ludwigsburgs, Egartenhof („Zur Eyssern Burg“), Groß- und Kleinsachsenheim, Grüningen, Metterzimmern, Möglingen, Münchingen, Nippenburg, Oßweil, Pflugfelden, Schwieberdingen, Sersheim, Tamm und Untermberg (siehe Karte de Grüninger Amtsgebiets) sowie Anteile von Unterriexingen und Hochdorf. Die beiden letztgenannten Dörfer sind in den um 1575 und um 1600 erstellten Amtskarten nicht verzeichnet, weil sie zu einem wesentlichen Teil noch dem Ortsadel gehörten. Unklar ist, warum Talhausen auf beiden Karten fehlt. Möglicherweise war das Dorf wie Remmingen und Vöhingen bereits wüst gefallen oder war teilweise noch nicht in württembergischer Hand.

Metterzimmern kam im 17. Jahrhundert zum Amt Bietigheim. Groß- und Kleinsachsenheim, Untermberg und Sersheim kamen 1653 zum nun selbständigen Amt Sachsenheim, nachdem Herzog Eberhard III. seiner zweiten Gattin Maria Dorothea von Oettingen die ehemalige Herrschaft Sachsenheim zur Hochzeit geschenkt hatte.

Infolge der Stadtgründung Ludwigsburgs zwang Herzog Eberhard Ludwig die einbestellten Vertreter Gröningens, die Amtshoheit an Ludwigsburg abzutreten. Bis 1722 blieb nur noch die stark eingeschränkte Funktion als Unteramt. Nach beharrlichem Protest erlangte man zwar die Amtshoheit zurück, jedoch mit verkleinertem Amtsbezirk, dem nur noch Bissingen, Tamm, Möglingen, Schwieberdingen und Münchingen angehörten. Nachdem Herzog Karl Alexander die Residenz von Ludwigsburg nach Stuttgart zurückverlegt hatte, stürzte das verwaiste Ludwigsburg in eine Krise. Gröningen witterte hingegen Morgenluft und konnte seine frühere Stellung bis 1736 nahezu wiederherstellen und die Amtsflecken Eglosheim, Oßweil und Pflugfelden zurückgewinnen. Nachdem sie auch die Hochgerichtsbarkeit wiedererlangt hatte, errichtete die Amtsstadt 1737 demonstrativ gleich zwei dreischläfrige Galgen aus Stein am Westrand des „Aussfelds” jenseits der Glems. Der Flurname „Gröninger Hochgericht” verweist noch darauf. Verschiedene Karten und der alte Flurname Galgen legen nahe, dass Hochgericht und Markungsgrenze zuvor ortsnäher gelegen waren: nahe beim Abzweig von der Vaihinger Straße zum Aichholzhof.

Oberamt Gröningen
Nach dem Tod Herzog Karls musste Gröningen 1739 Eglosheim, Oßweil und Pflugfelden wieder an Ludwigsburg abtreten und bekam als kleine Kompensation Unterriexingen vom Amt Vaihingen hinzu. Im Rahmen einer Verwaltungsreform wurde das Amt Gröningen 1758 wie andere verbliebene Ämter zum Oberamt umbenannt. Der traditionell Vogt genannte herzogliche Beamte, der auf Amtsebene die Verwaltung leitete und dem Amtsgericht vorstand, führte ab 1759 den Titel „Oberamtmann”. Das Gröninger Oberamtssiegel zeigte von nun an zwei Wappen: den herzoglichen Herzschild an heraldisch erster und das frühere Amtswappen mit fünf Sternen im Schildhaupt an zweiter Stelle.

Kaum der Amtsauflösung entgangen, musste man 1762 Möglingen und Tamm an das Oberamt Ludwigsburg abgeben, erhielt dafür aber Ditzingen vom Oberamt Leonberg und Oberriexingen vom Oberamt Vaihingen hinzu. Nachdem diese beiden Amtsflecken 1771 wieder verloren gegangen waren, erhielt man Tamm zurück. Bis zu seiner endgültigen Auflösung im Zuge der 1807 vollzogenen Neugliederung des jungen Königreichs gehörten nur noch Bissingen, Tamm, Unterriexingen, Schwieberdingen und Münchingen zum Oberamt Gröningen. Gewisse Befugnisse hatte die Amtsstadt auch in Hochdorf, außerdem überörtlichen Grundbesitz aus dem Spitalvermögen.

Siedlungsgründungen im Aussfeld
In den Jahren 1751 und 1752 wurde das nach dem Dreißigjährigen Krieg großteils brachgefallene „Aussfeld” westlich der Glems vermessen, kartiert und unter den drei Grundherrschaften neu aufgeteilt. Dies waren die Heiligenpflege (Kirchengut), das ehemalige Heilig-Geist-Spital (seit 1552 in städtischer Hand) und die „Hochfürstliche Kellerey” des Hauses Württemberg. Um die fernab der Stadt gelegenen Flächen besser bewirtschaften zu können und um die Auswanderung einzudämmen, plante man die Wiederbelebung wüst gefallerner Siedlungen, was in den folgenden Jahrzehnten an den Standorten Talhausen, Aichholz, Pulverdingen und Hardt-Schönbühlhof in Angriff genommen wurde.

Kameralamt Gröningen
Im Zuge der Neugliederung Altwürttembergs ließ der von Napoleon Bonaparte 1806 zum König beförderte Friedrich I. das Oberamt Gröningen 1807 auflösen und Kellereien sowie Patrimonialämter für staatlichen, geistlichen und herrschaftlichen Besitz in neu geschaffenen Kameralämtern zusammenlegen. So wurde – laut Heyd als „kleine Entschädigung” für den Verlust der Oberamtei – im Anwesen Ostergasse 22, das bislang der Geistlichen Verwaltung diente, ein Kameralamt eingerichtet und die zu dem großen Grundstück gehörende Scheune aufgestockt. Als Kameralamtskasten diente sie fortan zur Einlagerung von Naturalabgaben. Die Initialen „FR“ über dem Hauseingang erinnern noch an den Initiator der Reform und damaligen Besitzer: „Fridericus Rex“, der im November 1811 der Stadt auch die Gerichtsbarkeit entzog.

Der Verlust ihrer zentralörtlichen Funktionen und ihrer Einnahmen aus den Amtsflecken stürzte Gröningen in eine Existenzkrise, die sich aufgrund von drastischen Ernteausfällen im „Jahr ohne Sommer” noch verschärfte. Im November 1816 setzte der „alleruntertänigst treugehorsamste Magistrat der Stadt Gröningen“ deshalb eine Petition an den neuen König Wilhelm auf, in der er die Einrichtung eines neu zugeschnittenen Oberamts um die „dem … Regentenhaus seit dem grauesten Altertum verbundene Stadt Gröningen“ geradezu erflehte. In dem Vorschlag waren nur Asperg, Tamm, Bissingen, Unterriexingen, Hochdorf, Hemmingen, Schwieberdingen und Möglingen inbegriffen. Der Regent ging jedoch nicht darauf ein und löste bald auch noch das hiesige Kameralamt auf: Im Zuge der Verfassungs- und Verwaltungsreformen unter König Wilhelm wurde das im August 1813 noch um das aufgelöste Kameralamt Hohenasperg erweiterte Kameralamt Markgröningen am 6. Juni 1819 abgeschafft und dessen Bezirk großteils dem Kameralamt Ludwigsburg zugeschlagen. Die Amtsorte westlich der Glems wurden Leonberg und Vaihingen zugeordnet. Hemmingen und die Hagmühle kamen zum Kameralamt Leonberg. Hochdorf, Oberriexingen, Unterriexingen und der Pulverdinger Hof kamen zum Kameralamt Vaihingen. Auch dagegen protestierte  der Magistrat der Stadt vergebens. Nach der Auflösung des hiesigen Kameralamts wurde das Amtsgebäude in der Ostergasse verkauft und wird seither als Apotheke genutzt.

Gesüdete Karte des Amtsgebiets von Grüningen um 1575 mit den Amtsflecken Pflugfelden, Münchingen, Schwiebertingen, Nippenburg, Oßweil, Pflugfelden, Möglingen, Schloß und Dorf Asperg, Thamm, Bissingen, Saßenheim underm Berg (Untermberg), Zur Eyssern Burg (Egartenhof), Großsaßenheim, Kleinsaßenheim, Zimbern (Metterzimmern) und Sarissen (Sersheim)
Bild: Heinrich Schweickher, Quelle: WLB

Oberamt Gröningen 1790

Bezirk des Oberamts Gröningen um 1790. Unterriexinger, Hochdorfer und Nippenburger wurden teils von Gröningen, teils von der Ortsherrschaft verwaltet. Untermberg zählte damals laut Röder zu Bissingen. Talhausen, Aichholzhof und Hardt-Schönbühlhof waren Neugründungen
Bild: P. Fendrich. Quelle: Philipp Röder. Basis: Historischer Atlas von Baden-Württemberg

Oberamt Ludwigsburg 1907

Ab 1807 gehörte Markgröningen zum Oberamt Ludwigsburg. Unterriexingen kam zum Oberamt Vaihingen, Münchingen zum Oberamt Leonberg
Spezialkarte vom Oberamt Ludwigsburg. Gez. v. L. F. Wagner, um 1907

Hochgericht auf der Aussfeldkarte

Die Aussfeldkarte von 1752 zeigt die Richtstätte des Hochgerichts mit zwei dreischläfrigen Galgen am westlichen Markungsrand: bei der Einmündung der Vaihinger Str., hier „Galgen Strass”, in die B10 
Bild: Johann G. Raisch, Quelle: HStA S, Wikimedia

Aussfeld von MarGroeningen 1752

Karte des 1751/52 flurbereinigten „Aussfelds” westlich der Glems mit Zehntzugehörigkeiten. Die drei Zelgnamen Benzberg, Ruxert und Landern  entsprechen denen des Infelds östlich der Glems
Bild: Johann G. Raisch, Quelle: HStA S, Wikimedia

Aussfeld-Wappen

Wappen der drei Grundherrschaften im Aussfeld: Das Beil des hl. Matthias repräsentiert die Heiligenpflege (Kirchengut), das Doppelkreuz das ehemalige Heilig-Geist-Spital (seit 1552 in städtischer Hand). Die Hirschstange ist das „Hochfürstliche Kellerey-Zeichen”
Bild: Peter Fendrich, Quelle: HStA S, Wikimedia

Von Markgröningen abgeleitete Wappen des Landkreises und der Stadt Ludwigsburg (rechts)
Bilder: Wikimedia