Talhausen um 1930

Talhausen um 1930 vom Schlüsselberg
Bild: Hermann Roemer

Schlüsselberg

Schlüsselberg von Talhausen
Bild: Peter Fendrich

 

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Talhausen:
Wiederbelebte Wüstung

Wann und von wem Talhausen vermutlich im Hochmittelalter gegründet wurde, liegt im Dunkeln. Möglicherweise ist der Ort als Burgweiler der Schlüsselburg entstanden, dem Namen nach als Pendant zu einem oben auf der Sankt-Johännser Allmende gelegenen Weiler, von dem nur eine Kapelle überdauerte. 1304 wurde Talhausen und einer seiner Bewohner, „dicta Kubelin antiqua de Dalhusen“ (genannt der alte Kübelin von Talhausen), im Urbar des Esslinger Katharinenspitals erstmals urkundlich erwähnt. 1340 wurden Weinberge aufgeführt, die der Grüninger Pleban Conradus „in villa Talenhusen“ besessen hatte.

Als die Grüninger Bürger 1396 ihrem württembergischen Landesherrn jeder persönlich ewige Treue schwören mussten, wurden in ihrem „Urfehde-Brief“ auch „die von Dalnhusen“ mit aufgeführt, die bereits Württemberger Untertanen waren: Des Ersten der Cuntzler, Ruff Strowelin, der Güß, Haintz Strölin, Hainrich Blaufus, Kunzlins Do[c]hterman, Der Holzappel, Haintz Schauf, Cuntzlin Rudger und Haintz Vogel. Der wohl von hier stammende Bentz von Dalnhusen steht unter den Grüninger Bürgern. Zehn Haushaltsvorstände lassen auf 60 bis 70 württembergische Einwohner schließen, deren Gemeinde offenbar von Grüningen aus verwaltet wurde. Über die Anzahl der bis 1399 Klingenbergischen Untertanen ist nichts überliefert. 1399 veräußerten Anna von Klingenberg und ihr Mann Rudolf Kamrer Besitz in Talhausen und Tamm gegen ein Leibgeding an den Grafen Eberhard III. von Württemberg. Der Besitz könnte von den Herren von Sachsenheim stammen, denn Annas Mutter war Anna von Sachsenheim, verheiratet mit Konrad von Klingenberg. Ein wesentlicher Teil ihrer Güter in Talhausen war dem Namen nach einst im Besitz der „Herren von Rietpur(g)“. Die „Rietpur Hub“ umfasste 28 Morgen (etwa 110 Ar) Acker in drei Zelgen und eine Wiese von drei Morgen (etwa 12 Ar). Ob Anna von Klingenberg auch Anteile an der Schlüsselburg hatte, ist nicht überliefert.

Aus einem Zins-Gültenregister von 1424 ist zu entnehmen, dass der seit 1399 komplett württembergische Weiler einen Schultheiß hatte, obwohl nur sieben Bürger für sechs Häuser Abgaben leisten mussten. Die Sankt-Johanns-Kapelle bei der Schlüsselburg war damals noch mit einem Kaplan besetzt.

1665 erscheint Talhausen nicht mehr im Landbuch. Deshalb wird angenommen, dass Talhausen im Dreißigjährigen Krieg von marodierenden Soldaten heimgesucht wurde und wüst gefallen ist. Hinter die Mauern Markgröningens flüchtende Bewohner fanden allerdings auch hier keinen dauerhaften Schutz, weil die auf sich allein gestellte Stadt den kaiserlichen Truppen nichts entgegenzusetzen hatte. Durch deren Übergriffe, Hungersnot und Pest verlor die Stadt einen Großteil ihrer Einwohner.

In der „Aussfeldkarte“ von 1752, die zur Rekultivierung der überwiegend verwahrlosten Markungsteile westlich der Glems aufgenommen wurde, ist Talhausen noch als Wüstung verzeichnet. Ab 1770 erfolgte die Wiederbesiedlung Talhausens, des Aichholzhofs und die Gründung des Schönbühlhofs und eines Weilers beim Pulverdinger Hof. Im Jahre 1831 wurden im Königlich-Württembergisches Hof- und Staatshandbuch 32 Einwohner in Talhausen gezählt. Der Weiler bestand damals aus lediglich fünf Gehöften am Bergweg. Die Wegestruktur auf der Urflurkarte von 1832 zeugt von einst größerer Ausdehnung beidseits der Glems. Die Verbindung nach Markgröningen über die „Vordere“, auch „Gröninger“ genannte Steige verlief damals noch in einem offenbar mehrfach verlegten Hohlweg, was anhand von Relikten in der Heide südlich der Schlüsselburg heute noch nachvollzogen werden kann. Nördlich des Schlüsselbergs blieb die „Hintere Steige“ erhalten.

In der Beschreibung des Oberamts Ludwigsburg von 1859 wird der „eine halbe Stunde nordwestlich von Markgröningen auf einem mäßig geneigten Ausläufer an den linken Thalhängen gegen die Glems“ gelegene „Weiler Thalhausen“ kurz beschrieben: „Der nicht unfreundliche, hinter Obstbäumen versteckte Ort erhält sein Trinkwasser aus zwei nie versiegenden Pumpbrunnen. Die im Allgemeinen fleißigen, übrigens nur mittelbegüterten Einwohner beschäftigen sich ausschließlich mit der Landwirtschaft, die insoferne etwas schwierig zu betreiben ist, als die meisten Güter auf der Anhöhe und zum Theil ziemlich entfernt vom Ort liegen.“ Dabei blieb außer Acht, dass derzeit in Talhausen eine mit Wasserkraft angetriebene Hammerschmiede und fünf Minuten flussaufwärts eine Papiermühle, vormals eine Pulvermühle, betrieben wurden.

Schmiedemeister David Heller erbaute 1840 eine Hammerschmiede in Talhausen. Sie lag an einem 80 Meter langen, rechts von der Glems abgezweigten Kanal und wurde zuerst von einem, später von zwei unterschlächtigen Wasserrädern angetrieben. Um 1880 richtete Johann Keuerleber hier eine Maschinen- und Werkzeugfabrik ein. Sie besaß ein fünf Meter hohes und 1,21 Meter breites mittelschlächtiges Zellenrad, das 1908 durch eine Francis-Turbine ersetzt wurde. Zu Beginn der Industrialisierung produzierte die Fabrik Bohrmaschinen, dann auch Wagenspindeln für Handwagen und Metallschleifen für Telegrafenmasten. Die Produkte wurden mit dem Handwagen zum Bahnhof gefahren. 1958 gab man die Produktionsstätte auf und verlegte den Betrieb nach Markgröningen. Später wurde der Mühlkanal verfüllt und das Wehr beseitigt. 1969 wurde auch die seit 1788 bestehende und zweimal abgebrannte Papiermühle oberhalb Talhausens geschlossen, 1971 der Mühlkanal verfüllt und das Fabrikgebäude abgebrochen. Zwei Wohnhäuser blieben erhalten.

1980 hat der Abwasserzweckverband Gruppenklärwerk Talhausen die Kläranlage unterhalb Talhausens erbaut. Diesem Zweckverband gehören die Gemeinden Schwieberdingen, Eberdingen (für Hochdorf), Hemmingen, Korntal-Münchingen (für Münchingen) und Markgröningen an.

Seit den 1980er Jahren wurden mehr und mehr Weinberge im Talhäuser Berg und an der Hinteren Steige aufgegeben. Heute werden nur noch wenige bewirtschaftet. Die Gaststätte Elser wurde geschlossen und jüngst auch die Besenwirtschaft auf dem Gelände der Hammerschmiede aufgegeben.

Talhausen vom Schlüsselberg gesehen
Bild: Erdna1988, Wikimedia

Allmende St. Johann

Allmende bei der ehemaligen Sankt-Johann-Kapelle, vermutlich eine Wüstung
Bild: Peter Fendrich

Wüstung: 1751 gab es „zu Thalhausen” keine Häuser (Ausschnitt aus Aussfeldkarte)
Bild: Johann Georg Raisch, Quelle: HStA Stuttgart

Talhausen auf der Flurkarte von 1832, Bl. NO 3901
Quelle: LABW, StA Ludwigsburg

Hohlweg-Relikte am Schlüsselberg

Hohlwegrelikte der Vorderen oder Gröninger Steige
Bild: Peter Fendrich

Talhäuser Berg

Blick vom Feldle auf Talhausen und die Weinberge im Talhäuser Berg (1967)
Bild: Erdna1988, Wikimedia