Kirchgasse 14-18

Abriss der Gebäude am Habermasschen Hof
Bild: Eduard Haidle

Kirchgasse 20

Vorbildlich renoviert:
Kirchgasse 20 von Norden
Bild: Peter Fendrich, 2014

Finstere Gasse 4

Vorbildlich renoviert:
Finstere Gasse 4 von Südosten
Bild: Philipp Fendrich, 2014

Wasserturm

1990 erbauter Wasserturm
Bild: Peter Fendrich, 2016

 

Zeitgeschichte ab 1945

Markgröningen nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die vom Bombardement der Alliierten gering betroffene Stadt zahlreiche „Ausgebombte“, Flüchtlinge und Vertriebene aufzunehmen. Dieser Bevölkerungszuwachs von 3927 (1943) auf 4602 Einwohner (1946) war anfangs nur durch Einquartierung zu bewältigen. Letztlich führte er nicht nur zur Ausweisung neuer Baugebiete, sondern auch zu einer konfessionellen Durchmischung, da die meisten Neubürger katholischen Glaubens waren. Ihrer jungen Kirchengemeinde schenkte die Stadt 1954 die Spitalkirche, deren fehlendes Hauptschiff man durch einen Anbau ersetzte. Von 1980 bis 1982 wurde der Anbau schließlich durch einen Kirchenneubau mit Zeltdach ersetzt.

Am 20. August 1950 holte die Stadt das 700-jährige Jubiläum der Stadterhebung und das 500-jährige Jubiläum der Erstellung des Rathauses nach. Dabei wurde das Festspiel „Das Rathaus erzählt” aufgeführt. Erstmals nach dem Krieg fand am 24. August 1950 wieder ein offizieller Schäferlauf statt. Seit 1963 ist der Haupttag des Schäferlaufs nicht mehr auf den 24. August fixiert, sondern auf den Samstag des letzten Augustwochenendes. Am Wochenende zuvor findet seit 1967 das Internationale Musikfest ebenfalls von Freitag bis Montag statt.

1950 wurde das 1873 im ehemaligen Schloss eingerichtete Lehrerinnen-Seminar geschlossen und dafür ein Mädchen-Internat als „Staatliches Aufbaugymnasium mit Heim“ installiert, das auch zu Hause wohnende Schülerinnen aus Markgröningen besuchen durften. Es erhielt den Namen Helene-Lange-Schule. Die Schlafsäle waren im Landesfruchtkasten und im Präzeptorenhaus bzw. „Paradies” untergebracht – oft umschwärmt von jungen und auch „ein paar alten Schwerenötern aus Gröningen”. Am Paradies ließ die Schulleitung deshalb die Erdgeschossfenster vergittern.

Nach der feierlichen Grundsteinlegung 1950 konnte sich Volksschulrektor Eugen Schuhmacher 1951 über die Einweihung des ersten Bauabschnitts der Ludwig-Heyd-Schule freuen. Zuvor waren die Volksschüler auf mehrere Gebäude am Kirchplatz, in der Betzgasse und im Schloss verteilt.

In den 1960er und frühen 1970er Jahren nahm die Stadt wenig Rücksicht auf ihren historischen Markenkern: Im Zuge einer heute undenkbaren Modernisierungswelle fielen etliche wertvolle Bauwerke in der Altstadt dem Bagger zum Opfer, um wie beim Spital Platz für „Betonkästen“ oder Parkplätze zu machen. Ein Umdenken fand erst im Hinblick auf das 1979 mit einem großen Fest begangene 1200-jährige Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung anlässlich einer Schenkung Graf Kuniberts 779 an Kloster Fulda statt. Vor der mehrtägigen Feier hatte die Stadt den Marktplatz gepflastert und zur Fußgängerzone umgewandelt. Seit den 1970er Jahren wurden viele Häuser vorbildlich renoviert und gegebenenfalls mit dem Sanierungspreis von Stadt und AGD ausgezeichnet. So reichte die verbliebene Bausubstanz noch zur Einbindung in die Deutsche Fachwerkstraße. Die Altstadt wurde großteils verkehrsberuhigt.

1968 begann die Stadt mit dem Bau des Bildungszentrums am Benzberg. Nach der Fertigstellung des Hans-Grüninger-Gymnasiums folgten die Realschule und zwei Sporthallen mit Sportgelände. Schüler an weiterführenden Schulen mussten nun nicht mehr auspendeln. Stattdessen gingen fortan viele Schüler aus Möglingen, Schwieberdingen und Hemmingen in Markgröningen zur Schule.

Im Zuge der Gemeindereform wurde Unterriexingen am 1. Januar 1973 wunschgemäß eingemeindet. Den naheliegenden Zusammenschluss mit Oberriexingen hatte die Bevölkerung mehrheitlich abgelehnt. Markgröningen hatte zum Stichtag 9902 und Unterriexingen 1889 Einwohner.

Trotz des stetigen Bevölkerungszuwachses stellte die Deutsche Bundesbahn 1975 den Personenverkehr auf der Stichbahn Ludwigsburg-Markgröningen ein und stellte den ÖPNV komplett auf Busse um. Verschiedene Initiativen zur Reaktivierung der Bahnlinie blieben in den 1990er Jahren trotz ausgezeichneter Wirtschaftlichkeitsprognosen erfolglos. Stattdessen wurde 2001 auch der reguläre Güterverkehr eingestellt und 2005 die Strecke stillgelegt. Die neue Ostumfahrung hat die noch liegenden Gleise durchstochen. Hier fanden sich 2005 Reste einer Keltensiedlung.

Durch den südlichen Markungsteil verlegte die DB in den 1980er Jahren die Schnellfahrstrecke Mannheim-Stuttgart und errichtete einen großen Viadukt über das Glemstal. Der Trassenbau machte eine Flurbereinigung erforderlich und stieß die Sanierung der Sondermülldeponie Scherwiesen an. Im Juni 1991 nahm die Bahn den Betrieb auf der Schnellfahrstrecke auf.

1987 wurde das Internat des Helene-Lange-Gymnasiums aufgelöst. 1988 hat das Land die Trägerschaft und das Schulgelände an den von Stadt und Landkreis gegründeten Schulverband übertragen, der hier ein überörtlich besuchtes Aufbaugymnasium mit musischem Schwerpunkt für beide Geschlechter betreibt.

Auf Initiative von Naturschützern ging Markgröningen 1989 seine bislang einzige Städtepartnerschaft mit Saint-Martin-de-Crau ein, das inmitten der Crau zwischen Arles und Marseille liegt und ebenfalls ein Schäferfest hat. Darauf gründete sich der Verein Städtepartnerschaften, mit dem der BUND-Ortsverband und Euronatur zum Schäferlauf 1990 erstmals das Café du Jumelage einrichteten und ein Naturschutzprojekt in der Crau starteten.

1990 wurde beim Wasserhäusle auf der Bracke ein 40 Meter hoher Wasserturm mit 1000 Kubikmetern Fassungsvermögen erbaut. Er ist das jüngste Markgröninger Bauwerk, das unter Denkmalschutz gestellt wurde. Längst stammt der größte Teil des Trinkwassers aus dem Bodensee. Die Markgröninger Quellfassungen können den Bedarf nicht mehr decken, zumal einige durch Schadstoffe verseucht sind.

Bis zum 31.12.2017 stieg die Einwohnerzahl auf 14.804. Dabei nahm die Wohnfläche pro Kopf stetig zu. Seit den 1970er Jahren wurden deshalb neue Wohngebiete auf Landern, am Stuttgarter Weg, auf der Hart und am Möglinger Weg ausgewiesen. Die Lücke zur Ostumfahrung wurde mit Gewerbe- und Mischgebieten nahezu aufgefüllt.

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Zeitgeschichte Markgröningen

Blick über den Marktplatz um 1955
Quelle: Nachlass J. Ruoff

Fronleichnamsprozession 1950

Beginn einer Prozession der jungen katholischen Gemeinde im Spitalhof (um 1955)
Bild: Werner Feil

Unterriexingen

Das 1973 eingemeindete Unterriexingen und seine Weinberge entlang der Enz 1975 vom Hohberg
Bild: Helmut Hermann

Glemstalbruecke

Glemstalbrücke der Schnellbahn Mannheim-Stuttgart vom Oberen Tor (2014)
Bild: Peter Fendrich

Unterzeichnung

Die Bürgermeister Heinrich Vogel und Claude Vulpian von Saint-Martin-de-Crau tauschen die unterzeichneten Partnerschaftsurkunden beim Festakt im Dezember 1989 im Spital
Bild: Peter Fendrich

Erschließung des Wohngebiets Hart B 1994
Bild: Peter Fendrich

Zeitgeschichte Markgröningen