Schlossareal 1682

Schlossareal 1682 mit Nordtor. Ausschnitt aus der Stadtsilhouette der Kieserschen Forstkarte 159 (retuschiert)
Bild: Andreas Kieser

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Verlorene Bausubstanz der Altstadt

Burgumbau und Kriegsschäden
Der im 16. Jahrhundert veranlasste Umbau der ehemaligen Reichsburg in ein zur Stadt offenes Schloss veränderte den Herrschaftsbezirk im Nordwesten grundlegend: Der Burgfried und die stadtseitige Befestigung wurden abgerissen. Auf dem stadtseitigen Burggraben entstand Verkehrsraum, der zum neuen Torturm führte. Dazu kam ein weiterer Fruchtkasten mit Kelter und Keller, heute Untere Kelter genannt, die wie das Obere Tor wohl mit Steinen von der Burg erstellt wurde. Größere Verluste an Bürgerhäusern musste die Stadt erst im Dreißigjährigen Krieg hinnehmen. Einige leere Hausplätze mit Grundmauer-Sockel zeigen heute noch, dass nicht alle zerstörten Häuser wieder aufgebaut wurden.

Erste Abrisswelle im 19. Jahrhundert
Geradezu verzweifelt anmutende Versuche, ihrem Dornröschenschlaf zu entkommen, kosteten die Stadt im 19. Jahrhundert beträchtliche Teile ihrer mittelalterlichen Stadtbefestigung und ihrer außergewöhnlichen Gebäude, die bedingt durch die Stagnation ihr spätmittelalterliches Erscheinungsbild noch weitgehend bewahrt hatten. Der Blick auf das Panorama der Stadt um 1800 und die Tor-Skizzen von Carl Urban Keller lassen erahnen, dass die Stadt sich damit selbst um ein großes touristisches Potenzial gebracht hat.

Zweite Welle ab den 1960er Jahren
In den 1960er und frühen 1970er Jahren nahm die Stadt erneut wenig Rücksicht auf ihren historischen Markenkern. Im Zuge einer heute undenkbaren Modernisierungswelle fielen zahlreiche wertvolle Bauwerke in der Altstadt dem Bagger zum Opfer, um Platz für „Betonkästen“ oder Parkplätze zu machen. Darunter die Wirtschaftsgebäude des Spitals und das Ensemble um ein ehemaliges Steinhaus in der Vollandgasse. Ein Umdenken fand erst im Hinblick auf das 1979 mit einem großen Fest begangene 1200-jährige Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung (779) statt. 1984 verabschiedete der Gemeinderat eine Satzung zum Schutz der Altstadt, hält sich aber nicht immer daran. So wurden seit den achtziger Jahren zwar viele Häuser vorbildlich renoviert und gegebenenfalls von Stadt und AGD mit dem Denkmalpreis ausgezeichnet. Der Substanzverlust schreitet jedoch weiter voran …

Ostertor

Asperger oder Ostertor um 1800 mit Vortor

Esslinger Tor

Esslinger oder Schwieberdinger Tor um 1800 mit Halbrondell an der Zwingermauer

Unteres Tor

Unteres oder Vaihinger Tor um 1800, vermutlich nach 1648 vor der Ruine des alten Tors erstellt
Bilder: Carl Urban Keller, Quelle: Staatsgalerie Stgt.

Stallung des Spitals

Wirtschaftsgebäude des Heilig-Geist-Spitals mit kunstvoll abgeschrägter Ecke – um 1967 vor dem Abbruch (von Nordwesten)
Bild: Eduard Haidle

Steinhaus Vollandgasse

Das „Kriegsministerium” in der Vollandgasse enthielt Relikte eines mittelalterlichen Steinhauses (Adelspalais)
Bild: Hilde Fendrich

Kirchgasse 12, 1973

1973 abgerissenes Handelshaus in der Kirchgasse mit Markthalle wie beim Rathaus. Der vorgesehene Wiederaufbau des Kleinods aus dem 15. Jh. steht aus
Bild: Hilde Fendrich

Ostergasse 16, einst weit auskragendes Haus des Baumeisters Aberlin Jörg, in den 1950er Jahren abgerissen
Quelle: Hilde Fendrich

Weder der exponierte Standort am Kirchplatz, noch die außergewöhnliche Fassade mit Erker retteten dieses prachtvolle Haus vor dem Abriss
Bild: Eduard Haidle

Nord- und Ostflügel des Spitals

Nord- und Ostflügel des Heilig-Geist-Spitals 1967 von Südosten
Bild: Wolfgang Trautwein

HGS - abgerissener Westflügel

Westflügel des Heilig-Geist-Spitals vor dem Abbruch um 1967 von Norden
Quelle: Hilde Fendrich

Marktbrunnengässle 4

Das Rudolfsche Haus, Marktbrunnengässle 4, und die beiden abgerissenen Scheuern 1980 von Westen
Bild: Erich Wild

Ostergasse 12

Haus Reutter, Ostergasse 12, um 1970 vor dem Abriss von Nordwesten
Bild; Heinrich Schneider, Quelle: D. Zechmeister

Altstadt Substanzverlust

Verlorene Bauten: Substanzverlust der Markgröninger Altstadt von 1800 bis 2015
Graphik: Peter Fendrich, Quelle: Staatsarchiv Ludwigsburg

Verlorene Bausubstanz