Erhaltene Gründungsinschrift – nach dem Abriss im Alten Schulhaus angebracht
Bild: Hilde Fendrich

Hardt- und Schönbühlhof:
Ein Weiler – zwei Muttergemeinden

Um 1751 ließ das Amt Gröningen das seit dem Dreißigjährigen Krieg verwahrloste „Aussfeld“ westlich der Glems zur Rekultivierung und Wiederbesiedlung vermessen. Um die Bewirtschaftung der ortsfernen Flächen zu erleichtern, wollte man abgegangene Weiler wiederbeleben. Neben Talhausen, Aichholz und Pulverdinger Hof wählte man einen Standort an der Fernstraße (B10) südlich vom ehemaligen Böhringen.

1760 errichteten Johannes und Appolonia Schettler aus Schwieberdingen den ersten Hof auf dem Schwieberdinger Gewann „Hardt“, in den schließlich auch Appolonias Schwester Sophie mit Familie einzog. Allein auf sich gestellt hatten es die beiden Gründerfamilien des Hardt-Schönbühlhofs mit sechs und acht Kindern anfangs offenbar sehr schwer. Die Bodenfruchtbarkeit ließ hier zu wünschen übrig, und die Fernstraße bot weniger Zusatzverdienst durch Spanndienste als erhofft. So klagte Schettler in Schwieberdingen, er wolle lieber sterben, „als in solchem Elend mit seinem Weibe zu leben”. Doch es gab kein Zurück. Erst zehn Jahre später kamen drei Markgröninger Aussiedlerfamilien hinzu, darunter eine weitere Schwester Appolonias, die den Grundstein für den Schönbühlhof auf dem in der „Aussfeldkarte“ von 1752 als „Gewann Schönbühl“ ausgewiesenen Grund der Spitalstiftung legten. Benannt nach dem östlich angrenzenden „Schönbühl“, vermutlich einst ein keltischer Grabhügel. Der Name Schönbühlhof setzte sich im Volksmund allerdings nicht richtig durch. Auch in Markgröningen spricht man meist vom „Hardthof“, bis ins 20. Jahrhundert wurde er hier auch „Appeleshof“ genannt – nach der Mitgründerin mit dem auffälligen Vornamen Appolonia.

Anfangs kam die Besiedlung nicht richtig in Schwung, weil sich weiterhin viele verarmte Familien, geworben insbesondere von englischen und preußischen Agenten, für die Auswanderung nach Amerika, Preußen oder Osteuropa entschieden. Auch einige „Höfer“ wanderten wieder ab. Zusätzliche Siedler kamen schließlich nicht nur von den Muttergemeinden, sondern auch von Tamm, Münchingen und Hochdorf sowie von den außerhalb des Amtsbezirks gelegenen Gemeinden Eltingen und Heimerdingen. Ihre Kinder mussten anfangs in die Schule der Amtstadt Grüningen gehen und dafür einen Fußmarsch von 4,5 Kilometern hin und zurück auf sich nehmen. Nach zähem Ringen erhielten die Höfer 1800 die Erlaubnis, auf eigene Kosten vor Ort für den Unterricht zu sorgen. Mangels Schulhaus anfangs in privaten Stuben, ab 1818 in einer extra eingerichteten Schulstube, ab 1842 in einem kleinen Schulhaus mit Lehrerwohnung, das 1935 durch ein größeres ersetzt wurde.

Aussfeld von MarGroeningen 1752

1752 flurbereinigtes Aussfeld westlich der Glems
Bild: Johann Georg Raisch, Quelle: HStA Stuttgart

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Schönbühl- und Hardthof 1831 auf der Urflurkarte
Quelle: Staatsarchiv Ludwigsburg

 

Gerhard Gutscher

Gerhard Gutscher, Bauer und Fotograf, hat das Landleben der Höfer kunstvoll dokumentiert. Etliche Motive finden sich in der Galerie Land und Leute
Quelle: Hilde Fendrich

Hardthof Zentrum

Die Feuerwehr stellt alljährlich einen Maibaum auf
Bild: Peter Fendrich (2017)

Literatur:
Ernst Bürkle: 225 Jahre Hardt- und Schönbühlhof. Festschrift von1985. 84 S.
Hilde Fendrich: Aus der Gründungszeit des Hardt-Schönbühlhofs. In: Durch die Stadtbrille, Band 1, S. 11–29. Markgröningen 1985
Willi Müller:
Schwieberdingen, das Dorf an der Straße. Ludwigsburg 1961

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Hardthof-Panorama

Hardthof mit Maibaum von Norden. Bild: Peter Fendrich (2017)

Besiedlung des Hardt-Schönbühlhofs 1834 und 1985
Bild: P. Fendrich, Vorlagen: M. Leiberich u. W. Müller

Mit zunehmender Einwohnerzahl wurde das Wasser immer öfter knapp. 1892 feierte man die Installation eines vom Hummelbrunnen gespeisten Wasserwerks im Rahmen eines „Wasserfestes”. Die Freude sollte allerdings nicht lange währen. In Trockenperioden mussten die Höfer bald wieder Wasser aus den Nachbarorten herfahren, bis ihr Weiler 1909 an die Strohgäuwasserversorgung angeschlossen wurde.

1872 hatte der Hof 122 Einwohner, fünfzig Jahre später zählte man genau 200. Heute sind es stark 300 Einwohner. Seit 1957 sind die Einwohner von der mitten durch den Ort verlaufenden Bundesstraße 10 befreit. 1999 wurde die kreuzungsfreie Einfahrt auf die Umgehung in Richtung Stuttgart eingeweiht.

Die Höfer pflegen eine eigenständige gemeinsame Identität und sind stolz auf ihre 1899 gegründete Feuerwehr, die das Leben im Flecken kulturell bereichert. Die Interessen des Weilers gegenüber seinen beiden Muttergemeinden vertrat ein von den Höfern gewählter Anwalt, der Versammlungen abhalten musste und in den Gemeinderäten vertreten war. Obwohl die heutige Gemeindeordnung keine Anwälte mehr vorsieht, wurde hier die Funktion im Rahmen eines 2014 gegründeten Zweckverbands beibehalten, allerdings ohne Sitz im Gemeinderat.

Hardt-Schönbühlhof

Hardt-Schönbühlhof von Südwesten 1983. Im Hintergrund Schotterwerk und Umspannwerk
Bild: Erich Merkler, Quelle: LABW, StA Sigmaringen

Hardt-Schönbühlhof vor Markgröningen

Hardt-Schönbühlhof vor Markgröningen um 1980
Bild: Eduard Haidle

Feuerwehr- und Schulhaus

Feuerwehrmagazin und ehemaliges Schulhaus
Bild: Peter Fendrich

Doppelhaus Hardthof

Gespiegeltes Doppelgehöft jeweils mit Stall im EG und rückwärtiger Scheune
Bild: Peter Fendrich