Riexinger Schloss
Bachmühle
Dorfkirche
Frauenkirche

 

Stiftungsinschrift

Stiftungsinschrift über dem Hauptportal
(zum Lesen vergrößern)
Bild: Peter Fendrich

Nordportal

Gotisches Nordportal
Bild: Peter Fendrich

Wappen in Loge

Wappen der Familie Leutrum von Ertingen in der Loge des Ortsadels
Bild: Peter Fendrich

Bemalung des Gestühls

Freigelegte Bemalung des Gestühls nach Bruno Taut
Bild: Peter Fendrich

Taufstein

Taufstein von Nordwesten
Bild: Peter Fendrich

Schlussstein Sachsenheim

Schlussstein eines Kreuzrippengewölbes des Vorgängerbaus mit dem Wappen der Herren von Sachsenheim
Bild: Peter Fendrich

Kellerabgang Dorfkirche

Abgang zum Keller der Dorfkirche von Süden
Bild: Peter Fendrich

Die Kirche ist geschützt nach
§ 28 DSchG.

Galerie:
Weitere Bilder finden sich in der Galerie zur Dorfkirche.

Literatur:
Harald Goldschmidt und Wolfgang Weber: Evangelische Kirche Unterriexingen. Kirchenführer, 1993 [PDF]
Heimatklänge aus der Evangelischen Gemeinde Unterriexingen, August 1911
Jürgen Schwarz: Die Chorturmkirchen im Kreis Ludwigsburg
Wiedemann: Rätsel um die evangelische Pfarrkirche in Unterriexingen. In „Hie gut Württemberg“ – Beilage zur Ludwigsburger Kreiszeitung, Jg. 1969, Nr. 7/8, S. 28 f.
Ortschronik von Unterriexingen, aufbewahrt im evang. Pfarramt.

Kirche des Monats Februar 2021

 

Evangelische Pfarrkirche in Unterriexingen
1628 anstelle einer Vorgängerkapelle erbaut

Baugeschichte

Die Anfänge der Unterriexinger Pfarrkirche liegen im Dunkeln. Vermutet wird eine frühgotische Gründung im 13./14. Jahrhundert. Zunächst hatte die außerhalb des Ortes gelegene Frauenkirche als Wallfahrts- und Pfarrkirche „Zu unserer lieben Frau“ mehr Bedeutung als die Kapelle beim Dorf. Um 1480 gibt es am westlichen Ortstrand von Unterriexingen eine größere Kapelle mit dem dahinter liegenden großen „Kapellgarten“ (dort steht heute u. a. das Pfarr- und Gemeindehaus). Vielleicht hat dieses Kirchlein eine frühere kleine Feldkapelle ersetzt, die an einer alten Wegkreuzung am Weg zur Frauenkirche stand. Es gibt aber auch die Vermutung, dass das Kirchlein Bestandteil eines Herrschaftssitzes oder Nonnenhauses war. Auch nach der 1535 in Unterriexingen eingeführten Reformation behielt die Frauenkirche vorerst ihren Vorrang als Pfarrkirche.

Nachdem der baufällige Turm durch einen Sturm beschädigt worden war, baten die beiden Ortsherren von Sternenfels und von Nippenburg am 3. November 1627 den Stuttgarter Baumeister Kaspar Kretzmeyer um „bauverständigen Rat, Bedenken und Überschlag“ der Kosten. Sie wollten nicht nur den Turm wieder aufbauen, sondern auch die Kirche, „wofern es sich schicken sollte“, etwas erweitern. Am 7. November 1627 kam der Stuttgarter Baumeister nach Unterriexingen. Wenige Tage später entschlossen sich die Ortsherren, die Kirche nach Westen und nach Süden zu erweitern und die Wände und den Turm ganz massiv – also komplett aus Stein (kein Fachwerk!) – zu erstellen. Die Maurerarbeiten wurden an Maurermeister Jörg Klink von Unterriexingen und an Steinhauermeister Martin Luginsland von Calw übergeben. Die Zimmererarbeiten wurden Michael Keller übertragen, der ebenfalls in Unterriexingen ansässig war. Im Frühjahr 1628 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Bereits ein Jahr später, im Frühjahr 1629 wurde die erweiterte Kirche durch Pfarrer Leonhard Seiz eingeweiht. So wird am ersten Sonntag im Mai auch heute noch in Unterriexingen die Kirbe genannte Kirchweih gefeiert.

1685 vollzog sich eine erste größere Umgestaltung im Innern der Kirche. Man vermutet, dass in diesem Jahr die Empore eingebaut wurde und die Kanzel ihren jetzigen Standort erhielt. Im selben Jahr wurden auch die Inschriften an den Chorwänden angebracht und die reich bemalte Brüstung der Adelsloge angefertigt.

Das Äußere

Bei der Erweiterung des Kirchenschiffs und der Neuerrichtung des Kirchturms in den Jahren 1628/1629 entstand das heute noch erhaltene Äußere der Kirche: Der Turm mit seiner Gesimsgliederung und dem Zeltdach auf nahezu quadratischem Grundriss, flankiert an der Südseite von einem runden Treppentürmchen, an der Nordseite von der Sakristei, und das wesentlich breitere Kirchenschiff. Insgesamt eine symmetrische stimmige Erscheinung. Über dem letzten Fenster des runden Treppentürmchens ist ein alter Schlussstein eingemauert; der Stein stellt das Lamm Gottes dar.

Neben dem spitzbogigen Chorfenster im Osten finden sich an der Südseite drei spitzbogige Fenster mit gekehlten Laibungen, die vom Vorgängerbau stammen dürften, und das verzierte Renaissanceportal mit Inschrifttafel und Dreiecksgiebel.

Der schmucklose Westgiebel ist durch verschiedene „Öffnungen“ unterbrochen. In der jüngsten Zeit wurde hier ein barrierefreier Zugang geschaffen. Für einen Heuaufzug wurden in der Vergangenheit eine große Luke und weitere Lichtöffnungen für das Dachgeschoss eingebrochen. Ein rundes Fenster ermöglicht den Lichteinfall auf der Empore. Interessant und rätselhaft im Blick auf seine ursprüngliche Verwendung erscheint das ganz obere Westgiebelfenster, das an eine mittelalterliche Schießscharte erinnert.

Die Nordfassade der Kirche ist ebenfalls recht schmucklos. Einzige Zier ist das Rundfenster in Höhe der kleinen Restempore,(dem „Krabbennest“ in der Nordostecke des Kirchenschiffs. Ansonsten sind die Fenster rechteckig. Das kleine spätgotische Spitzbogenportal wurde mit Sicherheit von einem Vorgängerbau übernommen. An der Nordseite befindet sich auch der Zugang zum Kirchenkeller.

An der Außenwand der Sakristei entdeckt man noch eine Piscina mit einem Ablauf nach draußen, die vermutlich aus vorreformatorischer Zeit stammt. Auch an der Nordwand des Chors der Frauenkirche blieb eine Piscina erhalten. Eine Merkwürdigkeit stellt das kleine Fenster über dem Erdgeschoss der Sakristei dar, das von der Straße aus gut zu sehen ist, jedoch von innen her keinen Zugang hat.

Das Innere

Im Gegensatz zum Äußeren der Kirche hat sich im Innern seit 1629 vieles verändert:

Die Kanzel, eine sogenannte Konsolenkanzel, befindet sich in der Mitte der Nordwand und ist wohl aus der Vorgängerkirche übernommen worden. Bei der Erweiterung 1628/1629 erhielt sie ihren Platz vermutlich neben dem Chorbogen. Bei der Umgestaltung des Innenraumes 1685 wurde sie an den jetzigen Standort verlegt. Durch den Einbau einer umlaufenden Empore wurde die Kanzel in den Mittelpunkt des Gottesdienstes gerückt – dem evangelischen Verständnis entsprechend.

Der  zentral vor dem Altar im Chor platzierte Taufstein von 1720 stellt eine ansprechende Steinmetzarbeit aus der Barockzeit dar.

Der Grafenstuhl mit seiner Brüstung aus dem Jahr 1685 ist eine Kostbarkeit. Die Brüstungswand zeigt eine allegorische Malerei mit dem Seher Johannes auf Patmos (?) und Daniel in der Löwengrube. Die Brüstungswand erinnert an eine Hochzeit der Ortsherren. An der Rückwand hängt das Familienwappen der Grafen Leutrum von Ertingen mit dem Wahlspruch der Familie: Halt hart an mir. Diese Wappendarstellung wurde 1906 von Franz Mutzenbacher aus Stuttgart geschnitzt. Daneben findet sich das einzig erhaltene Banktürle, ein besonderes Kleinod aus dem Jahr 1784, das an die Verpachtung der Kirchenbänke erinnert. Erstaunlich, dass es 1906 bei der Erstellung des neuen Gestühls wieder eingebaut wurde.

Die Inschriften im Chor stammen ebenfalls aus dem Jahr 1685. Sie wurden 1955 freigelegt. Die Gedenktafel für die Gefallenen des I. Weltkriegs wurde 1918/1919 vom Enzweihinger Bildhauer von Au gefertigt und an der Chorwand angebracht. Graf Leutrum von Ertingen hatte sie gestiftet. 1955 wurde im Chor die Gedenktafel für die Gefallenen des II. Weltkrieges angebracht. Das Netzrippengewölbe im Chor mit seinen wappengezierten Schlusssteinen verdient besondere Beachtung.

Das Chorfenster wurde in den 1950er und 1960er Jahren von dem Stuttgarter Glasmaler Wolf-Dieter Kohler mit dem Thema „Leidensgeschichte und Auferstehung Christi“ gestaltet.

Das Tonnengewölbe in der Sakristei scheint wesentlich älter zu sein als das Netzrippengewölbe im Chor. Es wird vermutet, dass die Sakristei der älteste Bauteil der Kirche ist und vom Vorgängerbau stammt.

Architekt Bruno Taut hat 1906 die Orgel auf die Westempore verlegt und Altar, Taufstein, Gestühl und Adelsloge neu angeordnet. Dieser Schüler des Jugendstil-Architekten Theodor Fischer hat bis heute sichtbare Spuren in der Kirche hinterlassen: das hölzerne Eingangsportal mit Türklinke und Schloss, seine Initialen auf der Rückseite des Altars, Brüstungsbilder am „Krabbennest“ und an den Bankbrüstungen im Kirchenschiff.

Die Orgel auf der Westempore wurde 1882 von der Fa. B. G. Weigle in Stuttgart gebaut. 1965 kam sie von Darmsheim im Dekanat Böblingen nach Unterriexingen.

Die Emporenbilder stammen aus der Zeit um 1685. Dargestellt sind Jesus Christus als salvator mundi (Retter bzw. Heiland der Welt) und zehn Apostel. Es sind recht naiv gemalte Bilder, wahrscheinlich ohne besonderen künstlerischen Wert. Aber sie sind ein Zeugnis des frühen Barock im ländlichen Raum.
Einst zierte eine umlaufende Empore den Kirchenraum. Im Zusammenhang mit der Beschaffung einer neuen Orgel, die bis 1906 im Chor der Kirche ihren Platz hatte, wurde 1896 ein Teil der Empore an der Ostseite des Kirchenschiffs abgetrennt, so dass der Chorbogen und der Chorraum besser zur Geltung kam. So entstand eine kleine „Restempore“ in der Nordostecke des Kirchenschiffs, die „Krabbennest“ genannt wird – ein Kleinod und Kuriosum zugleich!

In der Glockenstube des Turmes befinden sich drei Glocken:
Die Dominika (Sonntagsglocke, Betglocke) ist die größte. Sie wiegt ca. 550 kg und hat einen Durchmesser von 99 cm. Die Glocke ist auf den Ton Gis gestimmt und wurde 1957 von Heinrich Kurz in Stuttgart gegossen. Sie trägt die Inschrift: Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.
Die Kreuzglocke (Schiedglocke) wiegt ca. 300 kg und hat einen Durchmesser von 81 cm; sie ist auf den Ton H gestimmt. Gegossen wurde sie im Jahr 1700 von Johan Rosier in Rottenburg am Neckar. Mit ihrer lateinischen Inschrift erinnert sie daran, dass Unterriexingen zuvor seiner fünf Glocken durch die Franzosen beraubt wurde.
Die Taufglocke (Betglocke) ist die kleinste Glocke im Turm. Sie hat ein Gewicht von knapp 250 kg, einen Durchmesser von 73 cm und ist auf den Ton Cis gestimmt. Die Glocke wurde ebenso wie Glocke 1 im Jahr 1957 von Heinrich Kurz in Stuttgart gegossen. Als „Gedächtnisglocke“ trägt sie folgende Inschrift: „Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde“ – Zum Gedächtnis der in den Weltkriegen 1914/18 und 1939/45 Gefallenen von Unterriexingen.

Landwirtschaftliche Nutzung der Kirche

Der gewölbte Keller war keine Krypta, sondern diente schon immer als hochwassersicherer Lagerraum insbesondere für Wein und Most. Noch heute ist der Keller teilweise an örtliche Weinbauern verpachtet. Zum anderen diente er in früheren Zeiten auch als Keller für das alte Pfarrhaus, da es in diesem Gebäude keinen Keller gibt. Da der Kirchenkeller in seinen Ausmaßen kleiner ist als das Kirchenschiff, liegt auch hier die Vermutung nahe, dass er von einem Vorgängerbau stammt.

Der geräumige Dachboden wurde in früheren Zeiten als Hopfen-, Hanf- und Fruchtboden genutzt. Etliche Bauern des Ortes hatten dort eine Kammer gepachtet. Zum Teil noch gut erhalten ist der Fußboden aus gebrannten Ziegelplatten. Der Dachboden erstreckt sich über zwei Geschosse. Zum obersten Geschoss führt eine einfache Holzstiege aus der Zeit der Erweiterung des Kirchenschiffs 1628/1629.
Harald Goldschmidt

Dorfkirche Unterriexingen. Bild: P. Fendrich

Pfarrkirche mit Chorturm im Osten, flankiert von einem Treppenturm und einer Sakristei
Bild: Peter Fendrich

Dorfkirche Unterriexingen

Südfassade der Dorfkirche mit Renaissance-Portal und gotischen Spitzbogenfenstern
Bild: Peter Fendrich

Dorfkirche von Norden

Dorfkirche von Norden ohne Spitzbogenfenster
Bild: Peter Fendrich

Chor mit Taufstein und Altar

Chor mit Taufstein, Ambo und Altar
Bild: Peter Fendrich

Kirchenraum von Südosten

Kirchenraum und Westempore von Südosten
Bild: Peter Fendrich

Kanzel der Dorfkirche

In die Wand „eingenischte” Kanzel zentral im Kirchenraum platziert
Bild: Peter Fendrich

Gräfliche Loge

Loge des Ortsadels rechts vom Chor
Bild: Peter Fendrich

Banktürle von 1784

Banktürle zum Platz von Anna Maria Rugert (1784)
Bild: Peter Fendrich

Glockenstuhl

Glockenstuhl von Nordosten
Bild: Peter Fendrich