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Durch die Stadtbrille, Band 10
Geschichtsforschung, Geschichten und Denkmalpflege in Markgröningen


Während frühere Ausgaben einem Schwerpunktthema gewidmet waren, befassen sich die zwölf Autoren im neuen Band 10 der AGD-Reihe „Durch die Stadtbrille“ mit unterschiedlichen Themen quer durch die Jahrhunderte. „Diesen bunten Themen-Mix präsentieren wir in HD-Qualität“, so der AGD-Vorsitzende Dr. Walter Ebner: „mit frischem Outfit und hochwertiger Ausstattung im Breitformat.“ Auf dem Programm stehen Artikel zur Geschichtsforschung, unterhaltsame oder nachdenkliche Geschichten und – wie im neuen Untertitel betont – die Denkmalpflege als eigene Rubrik. Jüngste Entwicklungen hätten laut Ebner gezeigt, dass auch in einer traditionsbewussten Stadt wie Markgröningen eine Lobby zum Schutz des Kulturerbes dringend gebraucht werde: „Neben dem inakzeptablen Eingriff beim Heilig-Geist-Spital stellen wir neue Befunde zum Schießhäusle und Ergebnisse archäologischer Ausgrabungen vor.“

Den Vortritt als Aufmacher bekam aus aktuellem Anlass die Bahnstrecke Ludwigsburg–Markgröningen, die am 4. Dezember 2017 hundert Jahre alt wurde. Die Autoren blicken zurück auf die Zeit der Dampfrösser, die Schritt für Schritt erfolgte Stilllegung durch die DB und die nunmehr 25 Jahre währende Reaktivierungsdiskussion.

Für „eine sehr spannende Figur“ hält Ebner den Theologen Dr. Reinhard Gaißer. Dieser hatte seinen Tübinger Lehrstuhl für das Dekanat in Gröningen aufgegeben und stellte sich 1514 auf die Seite des Armen Konrads. Zum Ärger der Obrigkeit legitimierte er diesen Aufstand auch von der Kanzel herab, unterstützte die Rebellen nach Kräften und suchte zudem, ihre Aktionen überörtlich zu koordinieren. In Anbetracht des über ihn angelegten und hier originalgetreu wiedergegebenen Dossiers mutet es laut Ebner „wie ein Wunder an, dass er in Amt und Würden blieb, anstatt auf dem Schafott zu enden“. Seine Haltung in der Vorreformation wird unterschiedlich bewertet. Ebner versucht zu belegen, dass der später Gaißlin genannte Pfarrer nicht „altgläubig“ blieb, sondern in Eßlingen auf Seiten der Lutheraner stand.

Einblicke in ein aktuelles Forschungsprojekt über die 1826 ins Oberland „entführten“ Grafen von Grüningen geben laut Ebner „Anlass zur Hoffnung, dass Ludwig Heyd weitgehend richtig lag, als er 1829 die damit außer Kraft gesetzte Überlieferung der Stadt anhand der Quellenlage zu verifizieren suchte“. Politisch waren seine Erkenntnisse allerdings nicht opportun und blieben außerhalb Markgröningens ohne Wirkung auf die Geschichtsschreibung. Damit die Landeshistoriker sich endlich der Materie annehmen, will der Autor Peter Fendrich die Beweisführung andernorts veröffentlichen. Die komplexen Indizienketten würden den Rahmen der „Stadtbrille“ sprengen, die für eine breitere Zielgruppe reformiert wurde.

In diesem Sinne finden sich in der „Stadtbrille“ eine Reihe anschaulicher Geschichten, die die Lebensumstände der Bevölkerung im 19. Jahrhundert widerspiegeln: Hilde Fendrich, Petra Schad und Hermann Beck präsentieren einen Prozess vor dem Gröninger Hochgericht gegen eine auf Schloss Nippenburg beschäftigte Magd, das selbst verfasste Kochbuch einer gut situierten Hausfrau, die nach Markgröningen eingeheiratet hat, und einen Pfarrbericht, der verdeutlicht, wie stark die evangelische Kirche damals das Gemein- und Schulwesen prägte.

„Schwer verdaulich“ empfindet Ebner den Bericht von Christian Hofmann, der an die 120 selektierten Insassen der ehemaligen Landesfürsorgeanstalt Markgröningen erinnert, „die im Zuge der gnadenlosen ‚Aktion T4‘ von Nazi-Schergen nach Grafenau verschleppt und vergast wurden“.

Erscheinungstermin war am Sonntag, den 11. September 2016, zum Preis von 19,80 Euro. Seit 12. September ist Band 10 der Stadtbrille über den Buchhandel bestellbar. ISBN: 978-3-00-053907-7. Ab dieser Ausgabe bekommen AGD-Mitglieder jeweils ein Freiexemplar der Stadtbrille überreicht.

stadtbrille

Die Stadtbrille – Eingang zu einem Weinberg am Rand des Rotenackers mit Blick auf Markgröningen. Von welchem Haus der extravagante Eingang und die Sandsteintreppe dahinter ursprünglich stammen, konnte bislang noch nicht geklärt werden. Auch wenn sich die ehemaligen Besitzer auf der Wengert-Seite verewigt haben:

1751. EBERHART PAULUS
MARIA ELISABETH PAULUSIN
EINE GEPOHRENE KELLERIN

Dabei handelt es sich um „Herrn Johann Eberhard Paulus, Oberumbgelter (Stadtpfleger) und Amtsbürgermeister allhier, Herrn Johann Eberhard Paulusen, Bürgermeisters zu Sindelfingen ehel. Sohn, und Jungfer Anna Elisabetha, Herrn Urban Kellers, Rathsverwandten (Stadtrat) allhier ehel. Tochter“.
Mehr dazu in Stadtbrille 1/1985, S. 7ff
Bild: Martin Leiberich

Durch die Stadtbrille 10/2016

Band10/2016 mit neuem Untertitel: „Geschichtsforschung, Geschichten und Denkmalpflege in Markgröningen”. Redaktion: Rudolf Dürr, Dr. Walter Ebner, Roswitha Feil, Peter Fendrich, Dr. Petra Schad

Neues Format: 24 x 19,5 cm, Umfang: 168 Seiten durchgehend vierfarbig illustriert. Preis: 19,80 Euro

ISBN: 978-3-00-053907-7, DNB-Info

 

Durch die Stadtbrille – Geschichte und Geschichten um Markgröningen
Reihe des Arbeitskreises Geschichtsforschung und Denkmalpflege Markgröningen (AGD)

Begründet von Hilde Fendrich 1985:
„Durch die Stadtbrille will ein heimatkundlicher Jahresband sein, der eingesessenen und zugezogenen Bürgern unserer Gemeinde ihre alte oder neue Heimat näherbringen möchte. Gleichzeitig soll die „Stadtbrlle“ als Forum dienen für alle, die sich im weitesten Sinne mit der Stadt und ihrer Geschichte befassen, einfach alle, die Freude haben am Forschen, Entdecken und Darstellen von Vergangenem, um Gegenwärtiges besser verstehen und schätzen zu lernen.“

Neben der Geschichte von Stadt und Amt umfasst das breite Spektrum auch die Themenfelder Archäologie, Denkmalschutz, Siedlungsentwicklung und Kulturlandschaft. Mitunter wird eine Ausgabe thematisch oder zeitlich fokussiert. Bisher sind erschienen:

  • Geschichte und Geschichten um Markgröningen. Durch die Stadtbrille, Bände 1 bis 4 jeweils ohne Themenschwerpunkt. Hg. v. Hilde Fendrich, Markgröningen 1985 bis 1989.
  • Müller, Mühlen, Wasserkraft. Durch die Stadtbrille, Band 5, hg. v. AGD Markgröningen, 181 S., Markgröningen 1995
  • Markgröningen – Menschen und ihre Stadt. Umfassende Darstellung der jüngeren Stadtgeschichte in ca. 60 Einzelbeiträgen. Durch die Stadtbrille, Band 6, hg. v. AGD Markgröningen, 477 S., Markgröningen 2000, 2. unveränderte Auflage.
  • Markgröninger Bauwerke und ihre Geschichte, Teil 1: Von der Bartholomäuskirche bis zur Spitalkirche. Durch die Stadtbrille, Band 7, hg. v. AGD Markgröningen, 132 S., Markgröningen 2002
  • Markgröninger Bauwerke und ihre Geschichte, Teil 2: Städtische, herrschaftliche und Bürgerhäuser in der Oberen Stadt. Durch die Stadtbrille, Band 8, hg. v. AGD Markgröningen, 264 S., Markgröningen 2004
  • Markgröningen und sein Schäferlauf. Alles über den Schäferlauf in 3 Teilen: Entstehung und Entwicklung des Schäferfestes – Nachkriegsnot, Lebenshunger und die Wiederkehr des Schäferlaufs 1947 – Schäferlauf- Alphabet. Von Petra Schad u. Gerhard Liebler, Durch die Stadtbrille, Band 9, hg. v. AGD Markgröningen, 121 S., Markgröningen 2007
  • Geschichtsforschung, Geschichten und Denkmalpflege in Markgröningen. Durch die Stadtbrille, Band 10, hg. v. AGD Markgröningen, 168 S., Markgröningen 2016

Verkauf bei der Buchhandlung Beck am Marktplatz (ab Band 6), im Rathaus, im Museum im Wimpelinhof und gelegentlich am AGD-Info-Stand Auswärtige Interessenten können Ausgaben der Stadtbrille oder andere AGD-Publikationen in unserem Bücher-Shop bestellen.

Inhaltsverzeichnisse

Stadtbrille  1/1985 PDF
Stadtbrille  2/1986 PDF
Stadtbrille  3/1987 PDF
Stadtbrille  4/1989 PDF
Stadtbrille  5/1995 PDF
Stadtbrille  6/2000 PDF
Stadtbrille  7/2002 PDF
Stadtbrille  8/2004 PDF
Stadtbrille  9/2007 PDF
Stadtbrille 10/2016 PDF

Presse

Artikel der Bietigheimer Zeitung über die Stadtbrille und den AGD (12.6.2016)

Stadtbrille

Stadtbrille 2015
Bild: Peter Fendrich